Hungarika
Bikavér – Stierblut
Wenn man das Wort „Stierblut” hört, fällt einem vor allem die charakteristischste Rotweinsorte des Weinbaugebiets von Eger (oder auch von Szerkszárd) ein, und ganz selten wirkilch das Bult eines Stiers. Mehrere Legenden erzählen von der Herkunft dieses Namens, die bekannteste von ihnen ist mit der türkischen Belagerung von Eger im Jahr 1552 verbunden, worüber auch der Schriftsteller Gárdonyi in seinem Roman „Sterne von Eger” geschrieben hat.
Von den Weinen aus Eger ist heute immer noch das Stierblut am berühmtesten, obwohl die Weißweinsorten Mädchentraube, Traminer und Welschriesling viel größere Anbaugebiete haben. Der Wein wächst an den sanften Südängen der Bükk-Ausläufer. Das Erlauer Stierblut ist ein sog. Cuvée, ein Verschnitt, wird also – wie auch andere berühmte Weine – durch Vermischung mehrerer Rebsorten hengestellt.
Die Grundsubstanz geben Kadarka oder Blaufränkischer, sie bestimmen den Charakter und die Farbe des Weins. Die einzelnen Winzer geben je nach Geschmack noch Portugieser, Médoc noir, Merlot oder Cabernet hinzu. Die Qualität bestimmen am Ende noch viele Umstände, vor allem natürlich die lange Reife in Holzfässern. Das würzige Bukett, das Aroma und der körperreiche, zartherbe Geschmack sind nicht nur in Ungarn bekannt.
Béres – Tropfen
Die weltberühmete Erfindung von Dr. József Béres, die Béres-Tropfen sind in Ungarn seit Jahrzehnten gleichbedeutend mit Gesundheit.
Der Wissenschaftler aus Kisvárda hat sein Medikament mit speizieller Zusammensetzung in den 70er Jahren erfunden und seitdem wird es von Millionen zur Vorbeugung oder zur Bekämpfung von Krankheiten eingenommen. Sein Puhm ist in alle Welt vorgedrungen.
Diese einzigartige Mischung von Spurenelmenten und Mineralien verfügt nach mehr als 20-jährigen fachlichen und politischen Kämpfen des Erfinders seit dem Januar 2000 über die höchste Qualifizierung ihrer Klasse: sie wurde als Medikament anerkannt.
Die Béres-Tropfen stärken das Immunsystem, sie werden in Ungarn und an vielen Orten der Welt prophylaktisch und therapeutisch mit Erfolg angewendet, und zwar in jeder Altersgruppe.
Die wissenschaftlich begründete wirksame Zusammensetzung und die einfeche Dosierung haben die Béres-Tropfen zum meistbekannten und meistverwendeten Arzneimittel, zum Symbol der Gesundheit in Ungarn gemacht.
Gyulai Kolbász – Gyulaer Wurst
In einem unbedeutenden Fabrikgebäude begann Ende des 19.Jh. die Weltkarriere der Gyulaer Wurst. Heute ist der Begriff untrennbar mit dem Namen der Stadt verbunden. Einen der wichtigsten Personen in dieser Erfolgsgeschichte war der Metzger József Balogh aus Gyula, dessen Fleischwaren schon um 1910 großen Erfolg bei Wurstpräsentationen erreichten. Aber erst die Tätigkeit des Industriellen András Stéberl hat den internationalen Ruhm erbracht.
Stéberl erlernte den Metzgerberuf in Pozsony (Pressburg). Nach dem Ersten Weltkrieg zog er nach Gyula, wo er im Familienbetrieb des Metzgers József Balogh die später so nützlichen praktischen Kenntnisse erwarb.
Zuerst eröffnete er einen kleinen Laden, später folgte ein größerer.
Das Rezept der típisch gewürzten und geräucherten Wurst heilt er zwar geheim, aber seinen ersten Welterfolg konnte er 1935 auf der Weltausstellung in Brüssel mit einer Goldmedaille verbuchen.
Herender Porzellan
In Herend begann 1826 Vince Stingl (Bild) Steingut zu produzieren, doch schon bald versuchte man sich auch an Porzellan. Um 1840 unterstützte sogar der Politiker Lajos Kossuth die Manufaktur, deren Existenz er für einen bedeutenden Erfolg des ungarischen Gewerbes hielt. Damals war Mór Fischer der Eigentümer, der den künstlerisch sehr anspruchsvollen Betrieb 1839 als Investor vor dem Konkurs gerettet hatte. Das Herender Porzellan wurde 1842 vorgestellt, im Folgejahr war es auf der Landesausstellung des Gewerbes und 1845 auf der Wiener Industrieausstellung zu sehen.
Natürlich ist es den künstlerischen Gestaltern, den Töpfern und Malern zu verdanken, dass dieses Porzellan zwischen 1851 und 1937 bei Weltausstellungen mit 24 Grand Prix oder Goldmedaillen bedacht wurde. Das vielleicht bekannteste Muster, das farbkräftige, heitere, chinesich anmutende Dekor mit Schmetterlingen und Blütenzweigen, wurde 1851 in London vorgestellt und prämiert.
Mit diesem, seither nach ihr benannten Muster bestellte Königin Viktoria ein Tafelservice für ihr Schloss in Windsor.
Die Porzellanmanufaktur belieferte auch die Habsburger in Wien sowie etliche aristokratische Familien in Ungarn und ganz Europa. An diese Kontakte erinnern all die Namen im Katalog der 3 000 Muster und 16 000 Formen.
Obstschnaps
Obstschnaps wird überall fast gleich gebrannt: die reifen Früchte mit hohem Zuckergehalt
werden in Wannen gesammelt und zerstampft.
Das Grundmaterial für den Aprikosen- oder Marillenschnaps von Kecskemét sind die Aprikosen, die ihr Aroma dem Dreierbund von Boden, Sonnenschein und Anbaukultur verdanken. In der Umgebung der Stadt treffen weite offene Sandgebiete und Lössboden aufeinander.
„Mit Soda schmeckt er besser als Whisky, mit Tee besser als Rum”, meinte Englands König Edward VIII.
Makóer Zwiebeln
Die größten Ärzte der Weltgeschichte haben die günstige Wirkung dieser Laucharten beschrieben. Luis Pasteur hat 1858 die antibakterielle Wirkung, Albert Schweitzer die erfolgreiche Anwendung gegen Ruhr nachgewiesen. Die heutigen wissenschaftlichen Texte zählen sie zu den wichtigsten Mitteln der Naturheilkunde. Die Zwiebel ist ein merkwürdiges Heilmittel, denn bevor sie ihre günstige physiologische Wirkung auf den menschlichen Organismus entfalten würde, macht sie unsere Gerichte wie Suppen, Gemüse, Garnierungen, gekochte und gebratene Fleischspeisen schmackhafter. Viele Menschen essen sie wegen des hohen Gehalts an ätherischem Öl zwar nur am Abend, doch verzichten will niemand. Diese Kult(ur)pflanze der Welt wurde durch eine individuelle Produktionsmethode unter die ungarischen Spezialitäten aufgenommen.
Überall sonst werden Zwiebeln nämlich gesät. Der im Frühling gesäte Samen ist im Herbst, wenn genügend Wasser, Nährstoffe und Sonnenschein vorhanden sind, zur Knolle gereift. Da die Bodenfeuchtigkeit bei Makó aber ziemlich niedrig ist (580 mm Niederschlag pro Jahr), würden die Zwiebeln recht klein bleiben. Deshlab wurde eine zweijährige Produktionsmethode entwickelt. Die kleinen Zwiebeln aus dem ersten Jahr würden aber im nächsten Jahr in Samen schießen und keine dichten, haltbaren Knollen bringen. Um das zu verhindern, werden sie einer einzigartigen Wärmebehandlung ausgesetzt: auf dem Trockenrost über dem Ofen in der guten Stube. (Man mag sich fragen, warum wohl ausgerechnet in der guten Stube, aber die Zwiebel hat in Makó eben ihren Kult – ja, sie hat sogar eine Statue, ein eigenes Haus und ein eigenes Festival!) Dank dieser zweijährigen Technologie ist der Gehalt an bioaktiven Stoffen in den Makóer Zwiebeln am höchsten. Die Zwiebeln aus Makó sind nicht nur gut haltbar, sondern ihr Aromagehalt bis zum 190. Tag der Lagerung ständig wächst.
Paprika
Diese Pflanze aus Mittelamerika haben die Ungarn wahrscheinlich durch türkische Vermittlung kennen gelernt, worauf der frühere Name „türkischer Pfeffer” deutet. In Szeged und Kalocsa erzählt man, dass Paprika in der Türkenzeit einen heimlich, in vesteckten Gartenecken angebaute Heilpflanze war.
In der Mitte des 19. Jh. stieg Szeged zum wichtigsten Paprikazentrum Ungarn auf. Die Schärfe des Gewürzpulvers wurde durch die Zugabe der Samen und Adern reguliert. Kalocsa wurde um 1920 mit seinem milden Paprikapulver zum Konkurrenten von Szeged. Es ist bemerkenswert, dass der Paprika in den Dörfern angebaut wird, die Paprikamuseen hingegen in den Städten zu finden sind. Diese zwei Gebiete liefern die Mehrheit des Gewürzpaprikas, der für die Touristen einen typisch ungarischen Geschmack und gleichzeitig ein praktisches Mitbrigsel bedeutet.
Diese Gemüsesorte, die in großen Mengen und fast das ganze Jahr über erhältlich ist, bot die Grundlage für die erfolgreichen Forschungen von Professor Albert Szent-Györgyi, der in ihr das Vitamin C entdeckte und ihre der Wirkung auf die Muskulatur nachweisen konnte. Er ist der einzige ungarische Nobelpreisträger, der sich nicht im Ausland, sondern in seiner Heimat die höchste Anerkennung der internationalen wissenschaftlichen Welt verdiente.
Salami
Die Techologie der Salamiherstellung wurde am Angang des 19. Jh. in Italien erfunden und erreichte Ungarn um die Mitte des Jh.
Wieso dann die Salami „Pick” das vielleicht berühmteste Produkt von Ungarn wurde? Dank dem einzigartigen Grundstoff, den einzigartigen Gewürzen und der sorgfältigen Technologie. Márk Pick gründete seinen Betrieb 1869 nicht zufällig in Szeged, denn die Schweinezucht hatte in Südungarn lange Traditionen. Das Fleisch der 2-3 Jahre alten massigen Schweine ist sehr kompakt, mit dem Speck vom Kinn und dem Bauchstück vermischt zeigt es auch ohne Gewürze eine schöne lebhafte Farbe und dank dem heisigen Futter ist auch sein Geschmack unnachahmbar. Was sich außerdem nicht nachahmen lässt, das ist die Zusammenstellung der Gewürzmischung.
Eines steht fest: die klassische, sog. Wintersalami enthält keinen Paprika.
Die ungarische Salalmi-Dauerwurst hat zweit weltberühmte Sorten: die 1869 geborene Pick und die seit 1888 nach einem anderen Rezept, aber mit ähnlicher Techologie hergestellte Herz. Beide sind inzwischen recht „betagt”, aber immer noch sehr vital.
Tokajer Weiner
In der berühmten Tokajer Weingegend (im Dreieck von Sátoraljaújhely, Abaújszántó und Tokaj) werden Qualitätsweine gekeltert. Die international bekannten Sorten wie der Samorodner, der Furmint, der Lindenkanischen Boden in einem besonderen Mikroklima dank der Tradition von Jahrhunderten.
Unicum
Überall in der Welt strebt man danach den Spirituosen mehr Geschmasks und Duftharmonie
zu verleihen.
Bei einer alten ungarischen Methode dem „eingebetteten Obstschnaps”, werden frische Früchte der Saison in den Obstschanps gelegt, die hier – wie in einem Bett liegend – den Geschmack seidiger und aromatischer und die Farbe intensiver achen.
Auch die verschiedenen Kräuter können ihre bioaktiven Stoffe im Schnaps abgeben, wobei dann ein Genussmittel mit Heilwirkung entsteht.
Zsolnay –Keramik
Vilmos Zsolnay entwickelte seine Steingut-Manufaktur in Pécs ab Mitte des 19.Jh. mit Hilfe seiner Familienmitglieder zu einer Keramikfabrik von europäischem Rang.
Der Architekt Ödön Lechner, der Meister des spezifisch ungarischen Jugendstils, arbeitete im Bereich Baukeramik (Ofenkacheln, Dachziegel, Fassadenschmuck) mit ihm zusammen. Zsolnay erfand auch den sog. Pyrogranit, der sich als frostbeständig erwies und mit farbiger Glasur überzogen werden konnte. Die schönsten Beispiele dafür sind in Budapest am Parlament und an der Kunsthalle zu sehen, in Kecskemét am Rathaus, in Debrecen am Hotel Aranybika und in Pécs am Zsolnay Gedenkbrunnen.
Halaser Spitzen
Die Erfinderin der Halaser Spitzen war Mária Markovits (Kiskunhalas, 22. September, 1875 – Kiskunhalas, 21. Oktober, 1954). Die ersten Spitzen wurden 1902 den Plänen von Árpád Dékáni in Kiskunhalas angefertigt. 1904 wurden die Halaser Spitzen auf der Weltausstellung in St. Louis mit dem großen Preis geehrt.
Die Handels- und Industriekammer hat die Halaser Spitzen im Frühling 1934 in das Markenzeichenregister aufgenommen. 1935 wurde dank der Stadtleitung von Kiskunhalas und dem Handelsministerium das bis heute als Werkstatt betriebene Halaser Spitzenhaus errichtet. 1936 wurde die Halaser Spitze zur Weltmarke.
Am 26. Januar 1977 wurde die Herstellung der Halaser Spitzen laut Qualifizierung des Rates Für Volkskunst zur eigenständigen Volkskunst erhoben.
Typisch für die Halaser Spitze ist, dass sie mit Hand genäht wird. Im Spitzenhaus von Kiskunhalas sind etwa achtzig verschiedene Nähtechniken zu sehen.

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